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EN ISO 374 Verfasst am 27.06.2025

SICHER IM UMGANG MIT CHEMIKALIEN – SCHUTZHANDSCHUHE NACH EN ISO 374

Ob in der Industrie, im Labor oder im Gesundheitswesen: Wer regelmäßig mit gefährlichen Chemikalien oder biologischen Erregern arbeitet, ist auf Schutzhandschuhe angewiesen, die zuverlässig und geprüft sind. Die Norm EN ISO 374 definiert klare Anforderungen für den Einsatz von Schutzhandschuhen in solchen Bereichen – und bietet damit eine verlässliche Grundlage für normgerechte Sicherheit und wirksamen Gesundheitsschutz.

Die Norm ist in mehrere Teile untergliedert, die unterschiedliche Leistungsaspekte abdecken – von der chemischen Beständigkeit bis zum Schutz vor Mikroorganismen. Diese Differenzierung sorgt für Transparenz und hilft dabei, Schutzhandschuhe gezielt auszuwählen.

DIE DREI PRÜFBEREICHE DER EN ISO 374

Für eine Klassifizierung nach EN ISO 374 müssen Schutzhandschuhe drei entscheidende Prüfungen durchlaufen:

+ Penetration (EN ISO 374-2)

+ Permeation (EN ISO 374-3)


+ Degradation (EN ISO 374-4)

Erst wenn alle drei Prüfbereiche bestanden sind, kann ein Schutzhandschuh nach EN ISO 374-1 klassifiziert und als wirksamer Chemikalienschutz eingestuft werden.

EN ISO 374-1: SCHUTZTYPEN UND LEISTUNGSANFORDERUNGEN

Die EN ISO 374-1 unterteilt Schutzhandschuhe in drei Typen - abhängig davon, wie viele Chemikalien die Handschuhe abwehren und wie lange sie deren Einwirkung standhalten. Grundlage dafür ist der sogenannte Schutzindex, der auf der gemessenen Durchbruchzeit basiert. Je länger ein Schutzhandschuh dem Kontakt mit einer Prüfchemikalie standhält, desto höher die Schutzklasse: von Klasse 1 (mehr als 10 Minuten) bis Klasse 6 (mehr als 480 Minuten). 

Die drei Schutztypen im Überblick:

mindestens 1 Prüfchemikalie mit Durchbruchzeit über 10 Minuten (Schutzindex ≥ Klasse 1)
Typ C: Basis-Schutz Typ C: Basis-Schutz

Diese Klassifizierung erleichtert die Auswahl: In stark chemisch belasteten Umgebungen ist Typ A ideal, bei kurzzeitigem Kontakt kann auch Typ C genügen. 

Das bedeuten die Kennbuchstaben unter der Norm:

Schutzhandschuhe nach EN ISO 374-1 tragen neben dem Normsymbol auch eine Buchstabenkombination – und genau diese liefert entscheidende Informationen: Jeder Buchstabe steht für eine spezifisch geprüfte Chemikalie. Insgesamt definiert die Norm 18 Prüfstoffe – darunter unter anderem Methanol (A), Aceton (B) oder Natriumhydroxid (K). Für jeden einzelnen Prüfstoff wird die Durchbruchzeit gemessen. Die Kombination aus Buchstabenkennzeichnung und Schutzklasse zeigt auf einem Blick, gegen welche Gefahrstoffe diese Schutzhandschuhe wirksam sind – und über welchen Zeitraum. 

EN ISO 374-1 auf einen Blick
Erfahren Sie hier mehr über die Prüfparameter der EN ISO 374-1. 

EN ISO 374-2: PENETRATIONSPRÜFUNG

Die EN ISO 374-2 legt fest, wie der Widerstand von Schutzhandschuhen gegen Penetration geprüft wird – darunter versteht man das Eindringen von Flüssigkeiten oder Mikroorganismen auf nicht-molekularer Ebene. Im Fokus steht dabei die Dichtigkeit des gesamten Schutzhandschuhs.

Zwei standardisierte Prüfverfahren – die Luft- und die Wasserleckprüfung – machen selbst kleinste Undichtheiten sichtbar. So stellt die Norm sicher, dass Schutzhandschuhe zuverlässig abdichten.

EN ISO 374-3: PERMEATIONSPRÜFUNG

Die EN ISO 374-3 erfasst ein weniger sichtbares, aber nicht minder gefährliches Risiko: die Permeation. Dabei handelt es sich um das schleichende Eindringen von Chemikalien durch das Material von Schutzhandschuhen auf molekularer Ebene.

Für den Test wird die Außenseite der Schutzhandschuhe dauerhaft mit einer Prüfchemikalie in Kontakt gebracht. Die gemessene Durchbruchzeit bestimmt die Einordnung in eine von sechs Schutzklassen.
Die EN ISO 374-3 liefert damit eine fundierte Bewertung, wie effektiv und wie lange Schutzhandschuhe ihre Barrierefunktion bei kontinuierlichem Chemikalienkontakt tatsächlich aufrechterhalten.

EN ISO 374-4: DEGRADATIONSPRÜFUNG

Die EN ISO 374-4 legt fest, wie beständig das Material von Schutzhandschuhen bei dauerhaftem Kontakt mit gefährlichen Chemikalien bleibt. Dabei steht nicht die Durchlässigkeit im Fokus, sondern die Materialveränderung. Diese sogenannte Degradation kann sich z. B. durch Aufquellen, Versprödung oder Risse äußern – alles Faktoren, die den Schutz im Arbeitsalltag deutlich einschränken können.
Für die Prüfung werden 18 Prüfmuster mit einer Testchemikalie in Kontakt gebracht. Anschließend wird die Durchstichfestigkeit gemessen. Je größer der Unterschied im Vergleich zu unbehandelten Mustern, desto stärker ist das Material degradiert.

Besonders in Arbeitsbereichen mit längerer Exposition liefert die EN ISO 374-4 wertvolle Hinweise zur Dauerbelastbarkeit von Schutzhandschuhen.

EN ISO 374-5: DER ZUSATZ „VIRUS“

Neben dem Chemikalienschutz berücksichtigt die EN ISO 374-5 den Schutz vor Mikroorganismen. Die Norm regelt dabei, ob Schutzhandschuhe ausschließlich gegen Bakterien und Pilze oder zusätzlich gegen Viren geprüft wurden. Der Unterschied ist direkt am Piktogramm ablesbar:

_

Ohne Zusatz unter dem Symbol: Schutz nur gegen Bakterien und Pilze

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Mit dem Zusatz „VIRUS“: zusätzlicher Schutz gegen Viren

Gerade in hygienekritischen Bereichen wie medizinischen Einrichtungen oder in der Lebensmittelverarbeitung ist dieser Unterschied entscheidend, um gezielt die passenden Schutzhandschuhe auszuwählen.

SICHER ENTSCHEIDEN – MIT EN ISO 374 ALS ORIENTIERUNGSHILFE

Die EN ISO 374 sorgt für mehr Klarheit und Sicherheit im Umgang mit chemischen und biologischen Risiken. Anstelle vager Begriffe wie „chemikalienbeständig“ liefert die Norm konkrete Prüfkriterien – von getesteten Substanzen bis hin zur mikrobiologischen Beständigkeit. 

Das schafft eine fundierte Basis für die Produktauswahl: abgestimmt auf Expositionsart, Einwirkdauer und individuelle Anforderungen im Arbeitsalltag. Wer bei der Auswahl von PSA auf zertifizierte Schutzhandschuhe mit klarer Kennzeichnung setzt, sichert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern sorgt auch für normgerechten, professionellen Arbeitsschutz.

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