WIE BELASTBAR IST EIN SCHUTZHANDSCHUH WIRKLICH?
Schutzhandschuhe sind im Arbeitsalltag unterschiedlichsten mechanischen Belastungen ausgesetzt. Scharfe Kanten, spitze Gegenstände oder bereits vorhandene Beschädigungen können das Material zusätzlich beanspruchen. Um beurteilen zu können, wie widerstandsfähig ein Schutzhandschuh unter solchen Bedingungen ist, definiert die EN 388 verschiedene Prüfverfahren.Zwei davon sind die Prüfung der Weiterreißfestigkeit und der Durchstichfestigkeit. In unserem hauseigenen Prüflabor, dem AS Quality Center, führen wir diese Tests mit einer Universalprüfmaschine unter definierten Bedingungen durch. Die Ergebnisse liefern wichtige Kennwerte zur mechanischen Belastbarkeit der geprüften Handschuhmaterialien.
Doch was genau wird bei der Weiterreiß- und Durchstichprüfung getestet, wie laufen die Prüfungen ab und was sagen die Ergebnisse über einen Schutzhandschuh aus?
ZWEI PRÜFUNGEN – ZWEI UNTERSCHIEDLICHE BELASTUNGEN
Weiterreiß- und Durchstichfestigkeit gehören zu den mechanischen Leistungsmerkmalen, die im Rahmen der EN 388 bewertet werden. Obwohl beide Prüfungen die Widerstandsfähigkeit des Handschuhmaterials untersuchen, simulieren sie unterschiedliche Belastungen.Prüfung der Weiterreißfestigkeit
Bei der Weiterreißprüfung wird ermittelt, welche Kraft erforderlich ist, um ein bereits eingeschnittenes Handschuhmaterial weiterzureißen. Dafür wird eine entsprechend vorbereitete Materialprobe in unsere Universalprüfmaschine eingespannt und kontrolliert auseinandergezogen.
Gemessen wird die benötigte Kraft in Newton (N). Je größer die erforderliche Kraft, desto höher ist die Widerstandsfähigkeit des Materials gegen das Weiterreißen.
Die EN 388 unterscheidet dabei vier Leistungsstufen:
| Leistungsstufe | Weiterreißkraft |
| 1 | ≥ 10 N |
| 2 | ≥ 25 N |
| 3 | ≥ 50 N |
| 4 | ≥ 75 N |
Prüfung der Durchstichfestigkeit
Bei der Durchstichprüfung steht eine andere Belastung im Mittelpunkt. Hier wird gemessen, welche Kraft erforderlich ist, um das Handschuhmaterial mit einem genormten Prüfstift zu durchdringen. Die Probe wird dafür fixiert und der Prüfstift mit definierter Geschwindigkeit gegen das Material bewegt.
Auch hier wird die benötigte Kraft in Newton (N) gemessen. Je höher die Kraft, die für das Durchdringen benötigt wird, desto höher fällt die entsprechende Leistungsstufe aus.
| Leistungsstufe | Durchstichkraft |
| 1 | ≥ 20 N |
| 2 | ≥ 60 N |
| 3 | ≥ 100 N |
| 4 | ≥ 150 N |
Wichtig: Die Durchstichprüfung nach EN 388 ist nicht mit einem Schutz gegen Injektionsnadeln oder andere sehr feine, scharfe Gegenstände gleichzusetzen. Dafür gelten gesonderte Prüfverfahren.
Auf einen Blick:
+ Weiterreißfestigkeit: Wie viel Kraft ist nötig, um ein bereits beschädigtes Material weiterzureißen?
+ Durchstichfestigkeit: Wie viel Kraft ist nötig, um das Material mit einem genormten Prüfstift zu durchdringen?
+ Ergebnis: Beide Eigenschaften werden innerhalb der EN 388 in Leistungsstufen von 1 bis 4 bewertet.
WARUM SIND WEITERREISS- UND DURCHSTICHFESTIGKEIT WICHTIG?
Im Arbeitsalltag treten mechanische Belastungen selten isoliert auf. Ein Handschuh kann beispielsweise an einer scharfen Kante vorgeschädigt werden und anschließend weiteren Zugbelastungen ausgesetzt sein.Ebenso können hervorstehende oder spitze Gegenstände das Material punktuell stark beanspruchen.Genau deshalb werden bei der Bewertung von Schutzhandschuhen verschiedene mechanische Eigenschaften betrachtet. Die Weiterreißprüfung liefert Informationen darüber, wie widerstandsfähig ein Material gegenüber dem Fortschreiten einer bestehenden Beschädigung ist. Die Durchstichprüfung bewertet dagegen den Widerstand gegenüber dem Eindringen eines genormten spitzen Gegenstands.
Gemeinsam mit weiteren Prüfungen der EN 388, beispielsweise zur Abrieb- und Schnittfestigkeit, entsteht so ein differenzierteres Bild der mechanischen Eigenschaften eines Schutzhandschuhs.
In unserem AS Quality Center können wir diese Eigenschaften unter definierten und reproduzierbaren Bedingungen untersuchen. Dadurch erhalten wir wichtige Daten für die Qualitätsbewertung unserer Produkte und können Erkenntnisse aus den Prüfungen unmittelbar für deren kontinuierliche Weiterentwicklung nutzen.
Typische Einsatzbereiche, in denen eine hohe mechanische Belastbarkeit eine wichtige Rolle spielen kann:
+ Metallverarbeitung
+ Montage und Fertigung
+ Bau und Handwerk
+ Lager und Logistik
+ Wartung und Instandhaltung
Welche Leistungswerte erforderlich sind, hängt jedoch immer von der konkreten Tätigkeit und der jeweiligen Gefährdungsbeurteilung ab.
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